Grußworte

Kommunikative "Spiel"-Räume: Was erzählst Du mir?

Das Erzählen ist eine Form der Kommunikation, die einen Raum ruhiger Aufmerksamkeit schafft. In ihm spannt sich eine gemeinsame Welt auf, in die die Beteiligten ihre je eigenen Dinge hineinlegen und zusammenfügen. Beim Erzählen werden Zusammenhänge hergestellt. Darin enthalten sind Regeln, Grundüberzeugungen, Werte. Über Erzählungen wurde in früheren Generationen Kultur aufrechterhalten und tradiert. Es wurde Sinn vermittelt, dem die Zuhörer unhinterfragt zustimmten. Der Geschichtenerzähler war eine bedeutende Persönlichkeit. Auf anregende Weise wurden in erzählten Märchen Lebensweisheiten gelehrt.

Ein Verlust ist zu beklagen. Diese Weise der Sinn-, Traditions- und Weisheitsvermittlung ist nahezu ausgestorben. Wer kann heute noch ein Märchen vollständig erzählen? Äußere Bedingungen der Lebensverhältnisse und der Formen der Kommunikation haben die Räume drastisch verändert, in denen wir kommunizieren.

Bieten sich dadurch auch neue Möglichkeiten?
Steht dem Verlust ein Gewinn gegenüber? Was zeichnet die neuen Räume aus?
Sind etwa die Beratungs- und Therapieräume die Rückzugsgebiete für das Erzählen?
Der Bedarf an Zusammenhang und Sinn ist weiterhin groß, allerdings ohne damit in gleichem Maße Regeln und Tradition zu verbinden. Das mag ein Grund dafür, dass das Kongressthema von ‚Spielräumen' handelt. Die neuen Kommunikationsformen lassen Freiräume zu, in denen sich Neues entfalten, in denen Neues erprobt werden kann.

Betrachten wir unter diesem Blickwinkel die eingereichten Vortrags- und Workshopangebote, so fallen die folgenden Themenfelder auf:

  • die Besinnung auf die Erzählkunst in Beratung und Therapie in Form von Märchen, Skriptgeschichten und als Körpersprache
  • die Schule als ein Raum sich öffnender Herausforderungen und gesellschaftlicher Anforderungen
  • das Alter mit seinen eigenen Kommunikationsanforderungen
  • die Vernetzung von Personen und Organisationen als wenig strukturierte Form der Zusammenarbeit mit hohen Anforderungen an die Kommunikationskultur.

Der Kongress 2006 in Hannover soll den Raum schaffen, den Fragen nachzugehen und Antworten gemeinsam zu reflektieren. In dieser Absicht wurden die beim letzten Kongress in Lindau begonnenen Veränderungen aufgegriffen und weitergeführt. Sie bestehen in:

  • der zeitliche Trennung verbandsinterner Themen von den methodischen Themen (erstere werden bereits am Mittwoch und Donnerstag auf dem DGTA-Tag diskutiert),
  • der Orientierung der angebotenen Veranstaltungen am Kongressthema,
  • der Trennung der Präsentation neuer Ansätze und Ideen in Vortragsform von der Diskussion dieser Beiträge in zugehörigen Workshops, um sich mit ihnen eingehend auseinandersetzen zu können,
  • einem zusätzlichen Schwerpunktthema, das über die Grenzen der Transaktionsanalyse hinaus weist; diese Grenzüberschreitung kann interdisziplinär, international oder, wie bei diesem Kongress mit dem Thema Afrika, interkontinental sein,
  • die Würdigung besonderer Leistungen für die Transaktionsanalyse.

Eine weitere Besonderheit dieses Kongresses richtet sich an Kinder und ihre Eltern. Es wird ein Einführungskurs für rund 50 Kinder im Alter zwischen 9 und 12 Jahren stattfinden. Den Eltern werden parallel dazu Grundlagen vermittelt. Bei dieser Veranstaltung soll erprobt und gezeigt werden, wie Kindern aus den Grundlagen der Transaktionsanalyse ein Wissen vermittelt werden kann, das sie in ihr Leben integrieren können. Für diese Veranstaltung können sich Eltern mit ihren Kindern anmelden. In einem Workshop am Freitagnachmittag werden die Erfahrungen vorgestellt.

Das interkontinentale Schwerpunktthema ist Afrika als Partnerkontinent. Afrika ist ein Kontinent in der Entwicklung. Dafür braucht es vor allen Dingen Bildung. Viele Hilfsorganisationen, allen voran UNICEF zusammen mit der Nelson Mandela Stiftung unterstützen dazu den Aufbau eines Bildungsangebots für Kinder. Das Ausmaß des Bedarfs wird an der Zahl von 45 Millionen Kindern in den Ländern südlich der Sahara deutlich, die nicht zur Schule gehen. Die Deutsche Stiftung Weltbevölkerung leistet ihren Beitrag in dem Feld der Erwachsenenbildung. In einer Podiumsdiskussion wird die Stiftung ihre Arbeit vorstellen. Dabei steht ein Projekt in Äthiopien im Mittelpunkt, in dem sich Transaktionsanalytikerinnen die Gelegenheit bietet, ihre Methode zu vermitteln und zugleich Erfahrungen zu sammeln, wie die Konzepte zur dortigen Kultur passen bzw. wie sie angepasst werden müssen.
Am Freitagabend werden Afrikaner und mit dem Kontinent vertraute Europäer Einblicke in die Kultur dieses Kontinents geben und uns erzählend in ihre Welt einführen.

Auf dem Kongress wird außerdem der dreißigjährige Geburtstag der DGTA gefeiert. Dazu sind Vertreter verwandter Methoden eingeladen, um mit ihrer Sicht auf die Transaktionsanalyse zu gratulieren.

Und schließlich sei noch auf den Festabend am Samstag verwiesen, der sich konsequenterweise auch in Spielräumen, genauer ‚Fest-Spielräumen', drei an der Zahl, abspielen wird. Sie bieten die Möglichkeit, ausgiebig zu tanzen, ungestört zu plaudern und Musik zu hören.
Bei diesem Angebot dürfte eigentlich keiner der Ich-Zustände von Transaktionsanalytikerinnen und Transaktionsanalytikern ungerührt bleiben, sondern sie unverzüglich dazu bewegen, sich anzumelden.

Wir laden herzlich dazu ein!

Das Kongressteam:
Petra Fischer-Mast, Saskia Gras, Marie-Luise Haake, Angela Klöcker, Norbert Klöcker, Matthias Sell, Ulrike Sell, Ilona Sikora, Bertram Weber-Hagedorn