Persönlichkeitswachstum und Lernkultur
PädagogInnen und ErwachsenenbilderInnen initiieren, strukturieren und gestalten Lern- und Entwicklungsprozesse, beraten Menschen in Fragen ihrer alltäglichen Lebensbewältigung, betreuen und begleiten Menschen in verschiedenen Lebensabschnitten und wirken als Modell.
Transaktionsanalyse ist für den/die PädagogIn und ErwachsnenbilderIn eine Metatheorie mit unmittelbarer Handlungsrelevanz. Sie kann zum einen als Lehre der Erfordernisse für eine gesunde menschliche Entwicklung weitergegeben werden. Zum anderen hilft sie, den Prozess im Umgang mit den Edukanden zu verstehen und effektiv zu gestalten.
Die besondere Art der Diagnostik hilft, auch bei der Arbeit mit größeren Gruppen den einzelnen zu erfassen. Dabei geht es nicht darum, Etiketten zu verteilen. Vielmehr weisen die diagnostischen Modelle Förderziele und konkrete Entwicklungsschritte aus.
Auf dem Hindergrund der Sozialisations- und Enkulturationsprozesse werden die persönlichen Ressourcen genutzt, um die Entwicklung persönlicher Autonomie und sozialer Kompetenz zu fördern. Die Lernschritte werden so weit individualisiert und mit den Edukanden erarbeitet, dass alle Beteiligten das Lernen als sinnvolle und Sinn schaffende Tätigkeit erleben und damit motiviertes, zielgerichtetes Handeln gefördert wird.
Bei der Weiterbildung zum/r TransaktionsanalytikerIn wird die Handlungskompetenz sowohl im Blick auf die Arbeit mit einzelnen oder Kleingruppen in Beratung, Supervision oder Betreuung wie im Blick auf die Arbeit mit größeren Lerngruppen in Schule, Berufsbildung oder Hochschule vermittelt. Dabei werden aufdeckende und wirkungsvolle Verfahren vermittelt. Deshalb ist die Weiterbildung nicht ohne gründliche Selbstreflexion und Aufarbeitung persönlicher Anteile an beruflichen Konfliktsituationen möglich.
Im Blick auf die Methodenwahl wird Integrationsfähigkeit angestrebt, anstatt einzelne Methoden zu favorisieren. Bei den reichlich vorhandenen guten pädagogischen Konzepten gewinnt der die TransaktionsanalytikerIn Kriterien für die Entscheidung, wann welche Methode zum Einsatz geeignet ist. Auch werden Methoden wie "entdeckendes Lernen", "Projektarbeit" oder "Freiarbeit" oft deshalb nicht angewandt, weil ihre Umsetzung ein hohes Maß an persönlicher Flexibilität, Kreativität und Selbstverantwortung voraussetzt. Hierfür qualifiziert die persönlichkeitsorientierte Weiterbildung der transaktionsanalytischen Ausbildungsinstitute.
Ein Schlüssel für ganzheitliche, persönlichkeitsfördernde Arbeit ist die "Erlaubnis zum Wachsen". Die transaktionsanalytische Skripttheorie wie die Racketanalyse sind Hilfsmittel, behinderte oder verhinderte Entwicklungsmöglichkeiten des Edukanden zu erkennen, die häufig Ursache für Lernprobleme und Verhaltensauffälligkeiten sind. Durch gezielte "Erlaubnisse" wird eine Nachentwicklung möglich. Sie hat die Merkmale eines Wachstumsprozesses. Eine in diesem Sinne bedürfnis- und interessenorientierte Arbeit muss jedoch den Erfordernissen für eine gesunde psychische Entwicklung von Schutz und Autorität dessen, der die "Erlaubnis" gibt, begleitet sein. Eine Erlaubnis im transaktionsanalytischen Sinne hat also nicht mit "alles erlauben" zu tun. Im Gegenteil: oft sind klare und potent vertretene Grenzen ein notwendiger Schutz für anstehende Entwicklungsschritte.
Alle Modelle und Methoden der Transaktionsanalyse werden kontextbezogen verwandt. Das Konzept des Dreiecksvertrags weist in besonderer Weise darauf hin, dass die professionelle Arbeit auf den Kontext von Arbeitsauftrag und Arbeitssetting ebenso wie auf die Klientel abgestimmt sein muss.
TransaktionsanalytikerInnen im Bereich Pädagogik und Erwachsenenbildung lassen sich daran messen, wieweit sie in der Lage sind, innovative Prozesse lebendigen Lernens für Menschen in jedem Lebensabschnitt zu ermöglichen und persönliches Wachstum zu fördern, das soziale Verantwortung einschließt. Dabei wird der Arbeitskontext wie der Prozess der Zusammenarbeit besonders beachtet.
KERNKOMPETENZEN IM FELD PÄDAGOGIK/ERWACHSENENBILDUNG
Wenn TransaktionsanalytikerInnen im Feld der Pädagogik/Erwach-senenbildung ihr Wissen und ihr Verständnis von Transaktionsanalyse anwenden, werden die nachfolgend beschriebenen Fähigkeiten sicht-bar.
1. ALLGEMEINE KOMPETENZEN
- Kennen der TA-Theorie und Anwendung im Feld der Pädagogik Erwachsenenbildung.
- Relevante pädagogisch / erwachsenenbildnerische Theorien aus der TA - Perspektive erklären und vergleichen.
- Die eigenen Visionen von Pädagogik / Erwachsenenbildung be-schreiben; den Zusammenhang zur TA erklären; aufzeigen, wie er/sie TA anwendet in verschiedenen Settings und unter Berück-sichtigung des historischen, kulturellen und pädagogisch / erwach-senenbildnerischen Kontexts, in dem die Arbeit stattfindet.
- Die Ethik – Richtlinien der EATA / ITAA / DGTA kennen und sie
auf pädagogisch / erwachsenenbildnerische Settings anwenden
und ethische sowie professionelle Kompetenz zeigen. „Pädagogische
/ Erwachsenenbildnerische Settings“ meint auch, aber
nicht aus-
schließlich, Elternbildung, Vorschule, Schule, Hochschule, Erwach-senenbildung und Gemeinwesenarbeit, Jugendarbeit, Grund- und Fortgeschrittenenausbildung im formellen und informellen Kontext.
2. DIE PÄDAGOGISCH / ERWACHSENENBILDNERISCHE BEZIEHUNG
In der „Ich bin ok – Du bist ok“ -Haltung wird der/die PädagogIn/ErwachsenenbildnerIn
- eine Beziehung herstellen, die auf gegenseitigem Respekt aufbaut und sich an den Werten Fürsorglichkeit, Mitgefühl, Übereinstimmung, Wärme und Offenheit orientiert und Befähigung und Autonomie fördert.
- sowohl Begeisterung und Respekt für die Bedürfnisse und Interessen Lernender zeigen als auch für die Lerninhalte.
- sich selbst und anderen in einer respektvollen Haltung begegnen und Bewusstheit und Sensibilität für verschiedene Bezugsrahmen, kulturelle und soziale Normen zeigen.
- verstehen, wie wichtig und machtvoll die pädagogisch / erwachsenenbildnerische Beziehung für die persönliche Entwicklung der Lernenden ist; die Fähigkeit haben, die pädagogisch / erwachsenenbildnerische Beziehung von anderen Beziehungen zu unterscheiden. 1 S. EATA-Handbuch unter 5.3.2 Angenommen vom PTSC (EATA) und TSC (ITAA) 1999 (veröffentlicht im EATA Newsletter Nr. 73, Feb. 2002) sowie von der Lehrenden Konferenz im November 2004 - 2 -
- Bewusstheit zeigen für die Grenzen der pädagogisch / erwachsenenbildnerischen Rolle (auch im Umgang mit den Bedürfnissen Lernender).
- ein pädagogisch-erwachsenenbildnerisches Bündnis schaffen durch Einfühlen in den Bezugsrahmen der Studierenden – den kulturellen Bezugsrahmen, die ethnische Herkunft, die sexuelle Orientierung, das Alter2 - ohne den Kontakt zum eigenen Bezugsrahmen oder den Zielen der Lernsituation zu verlieren.
- Stärke, Schutz, Erlaubnis und Wahrnehmung zeigen. Er / sie wird sowohl Verständnis für deren Wichtigkeit und Funktion haben als sich auch darüber bewusst sein, wie wichtig und notwendig ihre praktische Anwendung ist.
3. TRANSAKTIONSANALYTISCHE THEORIE
- Verstehen der grundlegenden Theorie. Die TA in Pädagogik/Erwachsenenbildung so in Bezug auf Strokes, Ich-Zustands- Analyse (strukturell und funktional), Transaktionsanalyse, Spiele, Rackets und Skript anwenden können, wie sie in den literarischen Hauptquellen beschrieben sind. Dies beinhaltet auch Theorieverständnis über die Entwicklung von Kindern und Erwachsenen, die Entwicklung von Gruppen, sowie Übertragung und Gegenübertragung aus einer pädagogisch / erwachsenenbildnerischen Perspektive.
- Beschreiben der verschiedenen Schulen der TA und aufzeigen, wie sie im pädagogisch / erwachsenenbildnerischen Setting angewendet werden können.
- Erklären der pädagogisch / erwachsenenbildnerischen Praxis in Begriffen der TA-Theorie und aufzeigen, wie TA-Konzepte verwendet werden.
- Anwenden von TA -Theorie auf Lernprozesse, um diese zu verstehen.
4. VERTRAGSARBEIT
- Erklären und anwenden des Vertragskonzeptes und des Drei- (oder Mehr-) ecksvertrages aus einer pädagogisch / erwachsenenbildnerischen TA – Perspektive.
- Verträge in den verschiedenen Arten von pädagogisch / erwachsenenbildnerischen Settings so formulieren, dass Bedürfnisse, Ziele, Kontext, Kultur und die Grenzen des Systems ausgedrückt werden können.
- Verträge kontrollieren, überprüfen und wenn nötig neu aushandeln.
5. PLANUNG
- Die pädagogisch / erwachsenenbildnerischen und entwicklungsbedingten Bedürfnisse einer bestimmten Gruppe oder eines Individuums beurteilen.
- Die Ziele und Themen im Programm festlegen, - wenn angemessen mit den / der Teilnehmenden -, um die eingeschätzten Bedürfnisse oder die verbindlichen Anforderungen zu erfüllen.
- Ein Programm entwerfen, das den festgesetzten Zielen und Themen entspricht.
- Grundregeln für die vertragliche Vereinbarung mit der Gruppe entwerfen.
- Verständnis von Gruppenprozessen zeigen und für die verschiedenen Entwicklungsphasen der Gruppe in angemessener Weise planen.
- Situationsangemessen verschiedene Führungsstile verstehen und anwenden.
- Bewusstheit zeigen für verschiedene Lernstile, die Fähigkeit diese bei Individuen und Gruppen zu erkennen und entsprechend zu planen.
- Inhaltliche Beiträge auf unterschiedliche Arten planen, um den Lernprozess zu unterstützen.
- Lernergebnisse evaluieren und ihre Bedeutung für die zukünftige Planung und Anwendung aufzeigen.
6. DURCHFÜHRUNG
- Aus einer „Ich bin ok – Du bist ok“ Haltung heraus handeln.
- Einen Vertrag mit der Gruppe abschließen, um den Lernprozess zu fördern; übereinkommen oder verhandeln von Grundregeln.
- Erwachsenenbildnerische oder entsprechende angemessene pädagogische Grundsätze benutzen und anwenden.
- Erlaubnis und Schutz geben zum Lernen, Denken, Herausfordern, Fragen, Wachsen und Ändern.
- TA - Konzepte in der Praxis verwenden und integrieren.
- TA - Konzepte so darstellen, verwenden und lehren, wie sie für die Durchführung der Veranstaltung geeignet sind.
- Selbstbewusst geeignete TA – Interventionen einschließlich von Selbstoffenbarung (self-diclosure) verwenden.
- In Interaktionen stimmig sein.
- StudentInnen/Teilnehmende für Teilnahme, Kooperation, Achtung vor den Gruppenmitgliedern stroken, um die Motivation und Kreativität zu steigern, damit Gesundheit und Autonomie gefördert wird.
- Erkennen und angemessenes Antworten auf Spiele, Abwertungen, gekreuzte und verdeckte Transaktionen sowie Symbiose – Einladungen.
- Berücksichtigen des kulturellen Skripts einer Organisation und erkennen, wie dieses Inhalt und Prozess von Lernen und Lehren beeinflussen kann.
- Theoretisches Wissen beisteuern, um StudentInnen zu befähigen ihr eigenes Verhalten zu verstehen.
- Instruiertes und selbständiges Lernen unterscheiden und entscheiden, unter welchen Umständen beide Arten angemessen sind.
7. PLANUNG
- zeigen eine innere Verpflichtung (commitment) auf die Philosophie der TA.
- zeigen eine selbstreflektierte Praxis, innere Stimmigkeit, (Kongruenz), die Fähigkeit über sich nachdenken zu können und zuzuhören.
- schaffen Formen der OK-ness, Respekt, Bewusstheit, Verlässlichkeit, Professionalität und Integrität.
- drücken persönliche und soziale Visionen sowie Ziele für das Lehren aus.
- lassen sowohl eigene, persönliche Stärken und Grenzen als auch die des pädagogisch/erwachsenenbildnerischen Settings erkennen.
- konfrontieren angemessen, auch im Umgang mit einem zerrütteten Gruppenprozess.
- zeigen persönliche und berufliche Bewusstheit und Entwicklung, demonstrieren die Bereitschaft zu lernen, zu wachsen und sich selbst zu verändern.
- zeigen die Bereitschaft Feedback anzunehmen, sich persönlichen Themen zu stellen und wenn nötig Eigentherapie zu machen, um effektive pädagogische/erwachsenbildnerische Arbeit zu leisten.
Innovationsblätter (Download):
- Die lernende Schule - TA und Schulentwicklung (PDF ca. 467 KB)
- Persönlichkeitswachstum- Lernkultur für sinnschaffende Tätigkeit (PDF ca. 470 KB)
- Schriftliche Examensarbeiten im Feld Pädagogik, Bildung, Schule im Projekt TAPS (Transaktionsanalytische Pädagogik-Schatzkiste) siehe Bibliothek.
- Projekt TAPS (Transaktionsanalytische Pädagogik-Schatzkiste) (PDF ca. 54 KB)
