30. Kongress der DGTA

Lübeck, 22. - 24. Mai 2009

Gefühle und weitere Kostbarkeiten

 

Grußwort des Vorsitzenden der DGTA Matthias Sell

Große Gefühle sind in. Es ist nicht so, als ob die Gefühle je out gewesen wären, in Literatur, Theater, Oper, bildende Kunst und Film bezeugen sie seit Jahrhunderten ihre Präsenz und ihre Aktualität. Bereit Aristoteles macht in seiner Poetik die Gefühle zum Dreh- und Angelpunkt: Die menschlichen Handlungen und Lebensweisen sind von Glück und Unglück, von Furcht und Mitleid durchdrungen.

Die Reinigung von solchen Affekten war das Ansinnen: die Karthasis. Der Alltagsdiskurs heute kennt nicht mehr die „große“ Reinigung, die öffentliche Darstellung – sei es in Romanen oder Theaterstücken – die Macht der Gefühle ist zum ästhetischen Maßstab geworden. Der große Film – aus Hollywood oder der Ratgeber in Form von Zeitschriften – Gruner&Jahr – z.B. die „Emotion“ erklären uns wie wir sein sollten, fühlen sollten, es sind keine Beschreibungen mehr wie wir sind und wie wir fühlen. Die scheinbar ´gefühllose´ Welt ist eine, die anfällig ist für Moralanbieter, für Strukturanbieter, für politische Haltung, die alle vermeintlich wissen wie Glück geht, aber nicht sich der Anstrengung aussetzen wollen, das Glück zu suchen und zu finden, die die Disziplin nicht mehr ausführen, sich selbst als fühlend, sich selbst als machtvoll begreifen. Kurz die größte Kostbarkeit liegt in der im Hier und Jetzt erfahrenen Gefühlswelt. Diese Gefühle haben keine lexikalische Gestalt und auch keinen Index, sie sind nicht nachschlagbar, in keinem Ratgeber, in keinem Lehrbuch.

Diese Kostbarkeiten werden situativ wahrgenommen und bedürfen der Übersetzung in Sprache und Ausdruck. Diese Ästhetik ist eine menschliche, sie ist mitunter hässlich und zugleich schön und ungeheuer wandlungsfähig. Wer von dieser Seite auf Gefühlserfahrung schaut, blickt psychologisch, ja tiefenpsychologisch und analytisch hermeneutisch auf die Gefühlswelt. Diesen ´erweiterten´ Welten und Sichtweisen dient der Kongress. So soll eine Kostbarkeit gerade darin bestehen, sich damit zu beschäftigen, dass das Suchen nach Glück, nach Zufriedenheit und Erfüllung, eben nicht statisch ist. Die Gefühlserfahrung läutert sich gerade an der Fähigkeit des sozialen Austausches und der Kommunikation mit einander.

Den Organisationsteam sei schon von hieraus zugerufen, Dank für das tolle Thema und Dank für die Arbeit, damit das Ganze gelingen kann.

Matthias Sell

Vorsitzender der DGTA

 

Herzlich willkommen!

Es ist uns eine Freude, diesen Kongress hier in Lübeck ausrichten zu dürfen, in dieser alten Hanse- Handels- und Begegnungsstadt. Herzlichen Dank, dass Sie hierfür zum Teil eine weite Anreise auf sich nehmen, z.B. aus der Schweiz und dem Süden Deutschlands. Durch die schwedische Städtepartnerschaft (Visby)

sind wir auf die Idee gekommen, auch schwedische Kollegen einzuladen. Das Thema dieses Kongresses ist aus dem Gedanken entstanden, die Bedeutung von Gefühlen in unserer Zeit wieder einmal in den Vordergrund zu stellen. 

Dabei sind wir uns bewusst, wie unterschiedlich wir Menschen unsere Gefühle verwalten, bzw. händeln und dass hieraus auch sehr individuell (verschiedene) Weisen entstehen, Fühlen, Denken und Verhalten zu begleiten in Therapie, Beratung, Organisation und Schule.

Wir laden Sie ein, zur gemeinsamen Reflexion, zum Austausch und Nachdenken darüber, welche Räume und Bedingungen Gefühle brauchen, um gelebt, gefühlt und gezeigt zu werden. In welcher Weise können wir dies für das Ziel Selbstbestimmung, Autonomie bei uns und unserem Klientel im jeweiligen Anwendungsfeld nutzen?

In welcher Weise leisten wir damit unseren gesellschaftlichen Beitrag?

Uns allen einen bereichernden, genußvollen und fröhlichen Austausch!

Das Kongressteam: 

Barbara Deymann, Angela Detmers, Hella Marwedel, Ulrike Sell, Bettina Banse