Verfahrensordnung der Ethik-Kommission (Stand 19.1.2013)

Mitglieder der Kommission.

In die Ethikkommission können  nur TSTAs, in Ausnahmefällen  PTSTAs der DGTA berufen werden. Nach Möglichkeit sollten alle 4 Anwendungsfelder vertreten sein. Mitglieder der Ethik-Kommission sollten in der DGTA keine Doppelfunktionen haben.

Einberufung, Tagesordnung, Niederschrift

Die Ethik-Kommission wird von der/dem Vorsitzenden der Kommission bei Bedarf einberufen. Es sollen nach Möglichkeit immer alle Mitglieder teilnehmen. Die Tagesordnung wird von den Mitgliedern festgelegt, die Ergebnisse werden protokolliert. Bei der nachfolgenden Sitzung werden die durchgeführten Aktionen überprüft.

Verschwiegenheitspflicht, Vertraulichkeit, Öffentlichkeit

Die Mitglieder der Kommission sind zur Verschwiegenheit verpflichtet. Die Verschwiegenheitspflicht besteht auch nach Ausscheiden aus der Kommission weiter. Eine Ausnahme stellt die Berichtspflicht an den Vorstand dar, die besteht, sobald Sanktionen erteilt werden müssen oder Belange des gesamten Verbands betroffen sind. Die Sitzungen sind nicht öffentlich. Protokolle und interne Unterlagen stehen nur den Mitgliedern der Kommission zur Verfügung
Falls notwendig kann die Kommission für spezifische Fragestellungen externe Berater hinzuziehen, denen gegenüber die Anonymität von Betroffenen zu wahren ist.

Sitzungsleitung

Die Sitzung wird von der/dem Vorsitzenden oder stellvertretend von einem anderen Mitglied geleitet. 

Allgemeine Aufgaben

  • Die Aufgaben und Pflichten der Ethik-Kommission bestimmen sich gemäß den Ethik-Richtlinien, die sich die DGTA analog zu den EATA Richtlinien gegeben hat
  • Die Ethik-Kommission nimmt ihre Aufgaben selbständig wahr und arbeitet satzungsgemäß unabhängig von Weisungen des Vorstands. Sie ist dem Vorstand berichtspflichtig, d.h. sie berichtet ihm von ihrer Arbeit unter Wahrung der Verschwiegenheitspflicht (Ausnahme siehe 3.4.)
  • Die Ethikkommission hat die Aufgabe, sich für die Einhaltung der „Ethik-Richtlinien“ einzusetzen, einschließlich der „Professionellen Praxisleitlinien“ und der „Weiterbildungsrichtlinien für die Fortbildung“. Maßgeblich ist in allen strittigen Fällen der „Ethical Code“ der EATA, der verbindlich für alle DGTA-Mitglieder gilt.
  • Vorrangiges Ziel der Arbeit der Ethik-Kommission ist es, Schaden von einzelnen Personen, Gruppen oder dem Gesamtverband abzuwenden oder zu mindern. Dabei sind die Prinzipien der Ethik-Richtlinien (Grundlegende Werte, Ethische Prinzipien, Anwendung auf Zielgruppen) weitestgehend zu realisieren. Sowohl die Schutzinteressen der beteiligten Personen als auch die Konfrontation mit dem Ziel von Verhaltensänderung sind Grundlagen der Arbeit. 

Zu den Aufgaben gehören u. a.:

  • als Ansprechpartner für ethische und professionelle Fragen zur Verfügung zustehen
  • Mediationen durchzuführen
  • Durchführung von Ethik-Verfahren bei Verstößen gegen ethische und professionelle Prinzipien
  • Schlichtung
  • Auflagen zu erteilen, die Erfüllung von Auflagen und Verhaltensänderungen zu überprüfen
  • Durch Schulungen und Trainings die Entwicklung von eigenständigem ethischem Denken und Handeln („Selbst-Evaluation“) und die Entwicklung einer ethischen Haltung zu sowie die Anwendung der ethischen Prinzipien in unterschiedlichen Kontexten zu fördern
  • mit anderen Gremien (z.B. Vorstand, Weiterbildungsausschuss, Senior Ethics Advisor der EATA) zu kooperieren
  • an der Weiterentwicklung der Ethik-Richtlinien mitzuwirken 

Vorgehen

Sämtliche Anfragen, Beschwerden oder Klagen werden von der  Ethik-Kommission der DGTA unter Wahrung der Vertraulichkeit behandelt.
Bei Bedarf kann der Ethics Advisor der EATA hinzugezogen werden.
In Fällen, die den Verband insgesamt betreffen,  kann die Vertraulichkeit gegenüber dem Vorstand der DGTA aufgehoben werden.
Die Ethik-Kommission kann zur Klärung ethischer Fragen und zur Aufklärung bei möglicherweise vorliegendem ethischem Fehlverhalten Informationen einfordern, eine mündliche oder  schriftliche Befragung der Betroffenen durchführen, Betroffene vorladen und weiter Maßnahmen ergreifen, die zur Aufklärung beitragen.      

Klage

Kommt es zu einer „ethischen Klage“ so wird verfahrensmäßig  zunächst der Sachverhalt geklärt und festgestellt, ob und in welcher Weise bestehende Richtlinien verletzt wurden und wer dadurch möglicherweise einen Schaden erlitten hat.
Im Falle einer ethischen Klage wird die beklagte Person darüber informiert und zu einer Stellungnahme aufgefordert. Die involvierten Personen (klagende und beklagte Person) können schriftlich oder mündlich angehört werden. Die Ethik-Kommission hat dabei die Aufgabe, sich möglichst objektiv ein Bild über die Angelegenheit zu machen.
Wenn sich zeigt, dass tatsächlich ein Verstoß vorliegt, wird die betreffende Person mit ihrem Verhalten konfrontiert und zu einer Verhaltensänderung aufgefordert. Es können Auflagen erteilt und Ermahnungen bzw. Abmahnungen ausgesprochen werden. Die Auflagen sollen dazu dienen, Einsicht in Fehlverhalten und Verhaltensänderungen zu bewirken. 
Das Anliegen der Person, die unethisches Verhalten erfahren hat, und der möglicherweise entstandene Schaden müssen gewürdigt und angemessen behandeln werden.
In diesem Prozess hat die Ethik-Kommission die Funktion eines Mediators, vermittelt gegebenenfalls zwischen den Parteien oder bemüht sich, für alle Beteiligten ausreichend Schutz zur Verfügung zu stellen, Wiederholungen von Fehlverhalten zu verhindern oder einen „Täter-Opfer-Ausgleich“ herbeizuführen.

Einbeziehung des Vorstands, Sanktionierung

Handelt es sich um gravierendes Fehlverhalten bzw. um einen gravierenden Schaden (z.B. um sexuellen Missbrauch oder Gewalt) so ist es Aufgabe der Ethik-Kommission, den Vorstand unter Aufhebung der Anonymität und der Verschwiegenheitspflicht darüber zu informieren und angemessene Sanktionen vorzuschlagen.  Die Ethik-Kommission hat dabei beratende Funktion.

Der Vorstand verhängt Sanktionen und setzt sie durch.

Sanktionen können u. a. sein:

  • Aussetzung/Beendigung von Verträgen
  • Aussetzung/Aberkennung von Funktionen
  • Aussetzung/Aberkennung der Lehrbefugnis
  • Nicht-Zulassung zu Prüfungen
  • Ausschluss aus dem Verband

 Im Fall möglicher Haftungsfragen oder möglicher Regressansprüche ist der Vorstand frühzeitig und in allen Einzelheiten zu informieren.

Verfahren gegen Funktionsträger, Befangenheit

Wird ein Ethik-Verfahren gegen einen Funktionsträger der DGTA eingeleitet, ist zu klären, in wie weit das Ethik-Verfahren dessen Funktion beeinträchtigt. Ggf. muss - nach Entscheidung des Vorstands - die Funktion zeitweise ausgesetzt oder beendet ganz werden.

Objektivität, Neutralität

In allen Teilen eines ethischen Verfahrens muss sich die Ethik-Kommission ein größtmögliches Maß an Offenheit, Objektivität und Neutralität erarbeiten. Sie gewährt Anonymität, wenn dies gewünscht und angemessen ist, unterstützt Problemlösungen und muss sich selbstreflexiv auch über mögliche eigene persönliche Befangenheiten und Konsequenzen ihrer Arbeit im Klaren sein.

Rücktritt, Auflösung

Um die Arbeitsfähigkeit der Kommission zu gewährleisten sollte bei Ausscheiden eines Mitglieds schnellstmöglich eine Nachfolge gefunden werden. Bei Rücktritt der/des Vorsitzenden übernimmt  der/die stellvertretende Vorsitzende kommissarisch die Leitung bis zur Neuwahl bei der nächsten Mitgliederversammlung der DGTA.