ZTA Beitrag

Drei theoretische Notizen zur Diskussion um Bernes Konzept der Ich-Zustände

  • Rolf Wartenberg

Jedes Modell von menschlichem Erleben und Verhalten bezieht die drei Bereiche der realen Körperlichkeit, der Anschauung und der sprachlichen Zeichen aufeinander, und zwar jeweils den spezifischen Fragen entsprechend, die mit dem Modell beantwortet werden sollen. Bernes Konzept der Ich-Zustände spricht schwerpunktmäßig das Imaginäre an, insofern es eine anschaulich vereinfachte Kenntnis der seelischen Wirklichkeit erleichtern soll. - Berne geht von alltagssprachlichen Typisierungen seelischer Haltungen zu deren dreigeteilter Klassifizierung über. Diese wiederum hat er mit personifizierenden Umschreibungen benannt, die sich sowohl als intuitiv beschreibende Charakterisierungen wie auch als lebensgeschichtliche Rekonstruktionen auffassen lassen. Gegenüber logischen Ansprüchen sichert Berne diese Verklammerung durch das Postulat dreier psychischer Organe ab, deren Programme angeblich interne, externe und vermittelnde Determinanten in drei bestimmte Arten von Ich-Zuständen ausgestalten. So entstehen pragmatische Konstrukte von quasi autonomen Persönlichkeitsteilen. Außerdem scheint auf diese Weise unmittelbare Intuition als Mittel zur Bestimmung von Ich-Zuständen die gleichen Resultate zu sichern wie ihre Bestimmung durch zeitaufwendige lebensgeschichtliche Rekonstruktion. - Dieses Vorhaben erschwert die Thematisierung von Problemen der Ich-Identität, lenkt von der Möglichkeit lebensgeschichtlichen Bedeutungswandels einmal erworbener ,,Programme” ab und stellt pragmatische Veranschaulichungen voreilig als unmittelbare Evidenz dar. - Der Autor des obigen Artikels bietet einen Vorschlag zur Unterscheidung dreier logischer Ebenen in Bernes Modellbildungsprozeß an: Beschreibung heuristischer Typen, pragmatische Konstruktion von Teilpersönlichkeiten und Einsatz der letzteren als Mittel theoretischer Analysen.

  • Erschienen in
    ZTA
  • Erscheinungsjahr
    1987
  • Jahrgang
    1987
  • Media-Format
    Printmedium
  • TA-Bezug
    Primäre TA-Publikation
  • Medium eingestellt von
    M Geschäftsstelle DGTA , 30.06.2018