ZTA Beitrag

Überblick über das Modell der Ich-Zustände nach Berne

  • Leonhard Schlegel

Der Autor entwickelt aus den verschiedensten Texten, in erster Linie von Eric Berne, sorgfältig die verschiedenen Bedeutungen, die mit dem Begriff des Ich-Zustandes oder der Ich-Zustände verbunden werden. Er stellt u.a. fest, daß im Ge brauch des Begriffs die Auffassung nach der Erscheinung, also nach dem beobachtbaren Verbalten, hinter dem das entsprechende Erleben steht, weit überwiegt, obgleich Berne selbst in seinen theoretischen Erwägungen die Auffassung nach dem Herkommen in den Vordergrund gestellt hat. Dem Kind-Ich-Zustand wird häufig der Bereich der Emotivität zugeschrieben, dem Eltern-Ich-Zustand der Bereich der Normativität, dem Erwachsenen-Ich-Zustand der Bereich der rationalen Überlegtheit.
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Den Widerspruch, der sich daraus zu ergeben scheint, daß Berne in seinen praxisbezogenen Bemerkungen allen drei IchZustanden die Möglichkeit zuschreibt, Gefühle zu haben, Urteile zu fällen und sachbezogene Überlegungen anzustellen, löst der Autor geschickt und einleuchtend, indem er feststellt, daß im Kind-Ich-Zustand Emotionen auch dafür maßgebend seien, was für moralische Urteile gefällt und was für Überlegungen angestellt würden, im Eltern-Ich-Zustand moralische Urteile auch dafür, was für Gefühle geäußert und was für Überlegungen angestellt würden, im Erwachsenen-Ich-Zustand sachlich-rationale Überlegungen auch dafür, was für Gefühle geäußert und was für moralische Urteile gefällt würden In der Originalliteratur von Berne und im englischsprachigen transaktionsanalytischen Schrifttum kommen statt ,,Ich-Zustand” weit überwiegend die im Gegensatz zur üblichen englischen Schreibweise mit großen Anfangsbuchstaben geschriebenen Child, Parent und Adult vor. Als Übersetzung empfiehlt der Autor dafür ,,Kind”, ,,Erwachsene(r)”, ,,Elternperson”, grundsätzlich in Anführungszeichen geschrieben. Nur diese Bezeichnung wird der zwischen wirklicher Person, Wesensseite eines Menschen, personifiziertem theoretischem Modell schillernden Bedeutung gerecht, die der Begriff Ich-Zustand in der Transaktionsanalyse hat.

  • Erschienen in
    ZTA
  • Erscheinungsjahr
    1992
  • Jahrgang
    1992
  • Media-Format
    Printmedium
  • TA-Bezug
    Primäre TA-Publikation
  • Medium eingestellt von
    M Geschäftsstelle DGTA , 29.06.2018