Ich-Zustands-Analyse

Ich-Zustandsmodelle

Mit den Ich-Zustandsmodellen stellt die TA verschiedene Aspekte menschlichen Gewordenseins und menschlichen Ausdrucks dar. Dabei wird Persönlichkeit in zweierlei Hinsicht betrachtet: Zum einen unter dem Aspekt ihrer Entstehungsgeschichte und Zusammensetzung (Strukturanalyse), zum anderen unter dem Aspekt ihrer Ausdrucks-qualitäten nach außen hin (Funktionsanalyse).

Wiewohl beide Dimensionen grafisch in Kreisen dargestellt werden, ist doch die verschiedenartige Logik beider Konzeptualisierungen zu bedenken und relevant.

Berne, Eric: Struktur und Dynamik von Organisationen und Gruppen (München 1979), 191-204
Berne, Eric: Die Transaktionsanalyse in der Psychotherapie. Eine systematische Individual- und Sozial-Psychiatrie (Paderborn 22006) 27-40

 

2.1 Strukturanalyse

Dieses Ich-Zustandsmodell stellt das Modell der menschlichen Persönlichkeit in drei Kategorien dar: Eltern-Ich als Übernommenes früher und heute, Erwachsenen-Ich als Selbstentwickeltes heute und realitätsbezogen und Kind-Ich als Selbstentwickeltes früher. Hier können die Ich-Zustände hinsichtlich ihrer Struktur und des Zusammenspiels ihrer energetischen Besetzungen betrachtet werden (psychodynamische Aspekte).

2.2 Funktionsanalyse

Hier lassen sich Ich-Zustände als nach außen hin wirksame psychische Funktionen (Rollen) betrachten. Es geht darum zu benennen, welche Ausdrucksqualitäten der Welt nach außen hin gezeigt werden. Diese können positiv (der Kommunikation zuträglich) oder auch negativ (der Kommunikation abträglich) gefärbt sein: Nährendes Eltern-Ich in positiver und negativer Qualität, Erwachsenen-Ich in seiner Denk- und Verarbeitungsfunktion und Kind-Ich in angepasster (positiver und negativer Qualität) und sich frei auslebender Form. Neben den genannten Ich-Zuständen sind noch eine Vielzahl anderer Funktionen denkbar. Die hier Aufgeführten haben jedoch in der Entwicklungs-geschichte der TA eine eigene Tradition, was jedoch nicht die Frage ausschließt, ob hier ein breiteres Spektrum an funktionalen Ausdrucksqualitäten angemessener wäre.
Die Ich-Zustandsmodelle werden in der Regel in drei übereinander abgebildeten Kreisen dargestellt und entsprechend dem jeweilig gültigen Modell (Struktur oder Funktion) substrukturiert.


Strukturmodell (oben links im Bild) in Anlehnung an Eric Berne, Transaktionsanalyse in der Psychotherapie (Paderborn 22006 ) 27-34; leicht modifiziert von Bernd Schmid und A.G.
EL = Eltern-Ich-Zustand
ER = Erwachsenen-Ich-Zustand
K =   Kind-Ich-Zustand

Funktionsmodell (oben rechts im Bild) in Anlehnung an Kahler/ Capers  (Taibi Kahler, TA revisited (Little Rock, Arkansas 1978)
kEL = kritisches Eltern-Ich
nEL = nährendes Eltern-Ich
ER = Erwachsenen-Ich
aK = angepasstes Kind
fK = freies Kind

Berne unterschied im Kind-Ich drei Arten: neben dem freien K unterteilte er das außen geleitete Kind in aK: angepasst, fügsam und rK: rebellisch, trotzig, vgl. L. Schlegel, Die Transaktionale Analyse (Tübingen 41995) 27.

Fragen zur Zusammensetzung von Persönlichkeitsanteilen (Struktur-Analyse)

Wie kann ich mich als Mensch selbst verstehen lernen und wie kann ich andere verstehen?
Wann und durch welche Einflüsse haben sich die Aspekte meiner Persönlichkeit ausgeformt?
Welche meiner Ich-Zustands-Aspekte schränken ein oder verfälschen meine Wahrnehmung einer gegebenen Realität oder Wirklichkeit gegenüber? Und wie können solche Einschränkungen minimiert und das Zusammenspiel der Ich-Zustände konstruktiv geordnet werden, um die Persönlichkeitsstruktur und ihre Selbstorganisation heilsam zu beeinflussen, zu festigen und zu stärken?

Fragen der Ausdrucksqualität nach außen hin (Funktions-Analyse)

Wie und in welcher Weise zeige ich mich der Welt nach außen hin?
Ist die Besetzung verschiedenster Rollen und Funktionen mir und anderen zuträglich und bereichert Leben?
Lassen sich positiv funktionale Ich-Zustände zu Ungunsten negativ funktionaler Ich-Zustände vermehren?